Es ist mir ein Anliegen Ihnen deutlich zu machen, dass Sie selber sehr viel zum Heilungsprozess beitragen können. Der Spruch, dass Zeit alle Wunden heilt, stimmt besonders im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen nicht.

Also gibt es keinen Grund, noch länger damit zu warten, sich selber und direkt damit verbunden auch den Kindern, etwas Gutes zu tun. Sie können selber das alltägliche Wunder der Heilung in Gang bringen!

Ich habe Ihnen hier ein paar hilfreiche Informationen und Anregungen, als kleiner Erste-Hilfe-Koffer bereit gestellt. Ich freue mich sehr, wenn Sie diese nutzen.

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Jeder Heilungsweg beginnt mit dem ersten Schritt

1.)Der Notfallkoffer

Er wird normalerweise im Rahmen einer Beratung erklärt, ausgesucht und eingeübt, sein Inhalt wird nach Ihren individuellen Vorlieben zusammengestellt. Er soll dabei helfen, sich in akuten Belastungszuständen zu stabilisieren. Wenden Sie nur das an, was für Sie eine wohltuende Wirkung hat. Gerne stelle ich mit Ihnen im Rahmen einer Beratung Ihren individuellen Koffer zusammen.

In den Notfallkoffer packen wir folgende Methoden (eine Auswahl):

  • Füße am Boden spüren = Erdung
  • Sich hier und jetzt orientieren, mit Name, Ort und Datum (Jahr!)
  • Kaltes Wasser über die Hände laufen lassen
  • Spazieren gehen am besten „wassertretend wie ein Storch“
  • Sich selber, da wo es angenehm ist abklopfen und hüpfen!!
  • Rescue-Tropfen (Bachblüten) einnehmen
  • Namen und Telefonnummern einiger guter, gesprächsbereiter Freunde/innen
  • Fotos von schönen Erinnerungen
  • Kuscheltier

Es ist am besten, sich mit den verschiedenen Möglichkeiten und Techniken in einem Zustand der relativen Ruhe vertraut zu machen, damit sie dann im Notfall leicht verfügbar sind.

2.) Die Narbe pflegen

Viele Kaiserschnitt-Frauen sind unglücklich mit ihrer Narbe. Einige wagen es monatelang nicht sie anzusehen oder zu berühren. Es kann sein, sie ist lange schmerzempfindlich und fühlt sich taub an. Manche Frauen haben das Gefühl, sie seien wie in zwei Teile geschnitten.

Wenn die Entstehung der Narbe traumatisch empfunden wurde, neigen die Narben eher dazu schlecht zu heilen oder heftiger bzw. länger zu „stören“. Ein bisschen so, als wären die Gefühle die mit der Geburt in Verbindung stehen darin gefangen.

Ab wann pflegen?

Die abgeheilte Narbe kann (wenn sie trocken ist) ca. ab 3 Wochen nach der Geburt mit verschiedenen Produkten sanft massiert werden. Selbstverständlich kann man auch Monate nach der Geburt damit beginnen. Ich empfehle Ihnen die Narbe lange zu pflegen! Das bedeutet tägliche Pflege für ein Jahr. Und wenn Sie sich daran gewöhnt haben und es ihnen wohl tut… warum damit aufhören?

Womit pflegen?

Bewährt hat sich das Narben-Gel (Wala). Das Gel wird 1-2 Mal täglich bis zur Trocknung ein massiert. Es hilft dabei, die Meridiane anzuregen und somit die Energie wieder in Fluss zu bringen, und regt die Aufbaukräfte der Haut an. Außerdem sehr gut geeignet sind das Wildrosenöl (Weleda) und die Revitalpackung (Dr. Hauschka).

Mit offenen Augen
Sehe ich eine neue Welt erblühen, mit all ihren Wundern sauge ich sie in mich auf und lass mir Flügel wachsen

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3.) Was ist hier los? Kurz- Information für Betroffene und Angehörige

(Nach Luise Reddemann, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin)

Ein Trauma ist ein Ereignis, das die Betroffenen überwältigt. Deshalb reagieren die meisten Menschen darauf erst einmal mit Verwirrung, Panik, später auch mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Sie können auch in einer Art Schockzustand sein. Solche Reaktionen sind dem Ereignis angemessen und normal, deshalb sind sie nicht krank. Unser Organismus braucht Zeit, mit traumatischen Erfahrungen fertig zu werden, das dauert Tage bis Wochen, bei manchen Menschen auch mehrere Monate. Lassen Sie sich Zeit!

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Freundlichkeit erleichtert Veränderung

Die meisten Menschen verarbeiten Traumata dadurch, dass sie sich teils intensiv damit auseinander setzen, (z. B. viel darüber sprechen wollen, auch Alpträume haben, die der Verarbeitung dienen) und leiden, andererseits machen sie dann auch wieder ganz „dicht“, und möchten das Geschehene am liebsten nicht wahrhaben, nichts davon hören und nicht darüber nachdenken. Sie befinden sich dann wie in einer Art emotionaler Betäubung. Bei den meisten Menschen wechseln sich diese beiden Reaktionsweisen ab, und beide sind normal.

Jede dieser beiden Phasen ist also berechtigt, und sollte nicht in Frage gestellt werden. Diese Wechselbäder können für Außenstehende ziemlich verwirrend sein. Auch hier heißt es für die Betroffenen und auch die Angehörigen:

Geduld! Als Angehörige müssen Sie nichts besonderes tun oder sagen, lassen Sie die Betroffenen einfach wissen, dass Sie da sind, bereit zuzuhören und zu unterstützen wenn es gefragt ist.

Auch vorübergehende Zeichen von sogenannter „vegetativer Übererregung“ sind normal. Darunter versteht man folgende Anzeichen:

  • Schlafstörungen
  • Schweißausbrüche
  • innere Unruhe
  • Schreckhaftigkeit, Alpträume

All dies sind Anzeichen dafür, dass Ihr Organismus versucht mit dem Erlittenen fertig zu werden, den Schrecken zu verarbeiten. Sollten diese Zustände für Sie jedoch zu heftig sein, und schwer zu ertragen, ist es gut wenn Sie sich beratende oder therapeutische Hilfe holen. Dies gilt auch, wenn diese Zustände länger als einige Wochen anhalten.

Hüten Sie sich bitte davor, ihr Unwohl- und Aufgeregtsein mit Alkohol zu dämpfen, das kann der Beginn einer Suchterkrankung sein. Medikamente (Benzodiazepine, wie Valium) können kurzfristig Erleichterung bringen, aber auch hier bitte nur einige wenige Tage in Absprache mit einem Arzt/Aerztin Ihres Vertrauens.

Tun Sie die Dinge, von denen Sie spüren, dass sie Ihnen wohl tun. Hören Sie auf Ihre innere Stimme und nicht auf andere!

Ihr Organismus weiß besser als jeder Andere, was Sie brauchen, selbst wenn das anderen manchmal seltsam erscheint. Alles was Ihnen (auch wenn es nur für ein paar Momente ist) ein Gefühl von Ruhe, Sicherheit, Wohlbefinden und auch Kontrolle schenkt, ist hilfreich. Ein guter Hinweis ist, wie Sie sich danach fühlen: Gestärkt und ein klein wenig wohler?

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen auf Ihrem Weg viel Kraft und Geduld, und hoffe, dass Sie mit den hier aufgeführten Hinweisen eine kleine Stütze haben.

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Gerne dürfen Sie sich bei Fragen oder Anregungen unverbindlich bei mir melden